Schubert TLM-F44 Verpackungsroboter:
Crailsheim/ Trubschachen. Für Genießer sind Sortimentspackungen mit feinem Gebäck etwas ganz Besonderes – für Verpackungsingenieure stellen sie zunächst eine besondere Herausforderung dar. Doch wenn am Ende alles wie gewünscht funktioniert und der Kunde zufrieden ist, ist die Freude über das Erreichte umso größer. Und auch die Belohnung schmeckt umso ‚süßer‘ – sogar oder gerade wenn sie, wie hier bei Kambly, in anerkennende Worte gefasst ist...
„Herr Schubert, Sie haben uns mehr geliefert als eine Maschine“, lautete das Fazit von Oscar A. Kambly anlässlich eines Schubert-Besuchs in der Schweizer Kambly-Zentrale in Trubschachen. Doch wie werden die insgesamt sieben verschiedenen Sortimentpackungen aus nicht weniger als 21 unterschiedlichen Gebäcksorten hergestellt?
Eines sei vorweg genommen: Für den Verpackungsprozess wäre es am einfachsten, wenn alle Gebäckstücke einer Sortimentpackung gleichzeitig produziert werden könnten. Doch das geht nicht, lautet die einhellige Meinung unter den Herstellern hochwertiger Feinbackwaren. Zu hoch sind die Kosten der Produktionsanlagen, so dass die an verschiedenen Tagen produzierten Gebäckstücke zwischengespeichert werden müssen.
Drei Methoden der Zwischenspeicherung bieten sich an. Erstens: Die Feinbackwaren werden in großen Speicherbehältnern aufgenommen und aus diesen heraus die Sortimente gepackt. Zweitens: Kleine Sortentrays werden gepackt, aus denen dann die Sortimente zusammengestellt werden. So findet der Konsument dann in einer Sortimentspackung viele kleine Sortentrays vor. Und Drittens: Die ‚Methode Kambly‘, bei der die Gebäckstücke zunächst in Unitrays gepackt werden, die ohnehin produziert und nachgefragt werden. Der Anteil an der Produktionsmenge, der für die Sortimentspackungen benötigt wird, kommt in einem Sortimentenlager in den Unitrays zur Zwischenspeicherung. Später werden die Gebäckstücke daraus ausgepackt und dem neuen Verpackungsprozess zugeführt.
Technische Präzision für Gourmet-Qualität
Bei Kambly übernimmt seit Juni 2005 eine TLM-F44-Pickeranlage der Gerhard Schubert GmbH (Crailsheim) diese Aufgaben. Das heißt Verpackungsroboter erledigen dazu das Auspacken und gleich im Anschluss daran wieder das Einpacken in neuer Zusammenstellung. Die Konstellation der Verpackungsroboter sieht dazu folgendermaßen aus: Die leeren Sortimenttrays werden von einem Trayentstapler TLM-F2 aus dem Stapel entnommen, um 100° geschwenkt und in eine Transportkette eingesetzt. Diese Transportkette fördert die Trays zum Befüllen durch die Maschinenanlage. Quer zur Transportkette sind insgesamt fünf F44 Roboterzellen angeordnet, die jeweils über zwei Zuführbänder verfügen. Hier werden die Unitrays ‚sortenrein‘ pro Band manuell aufgelegt. Somit lassen sich bis zu zehn verschiedene Gebäcktypen in einer Sortimentpackung miteinander kombinieren.
Zum Entladen werden die Kekse lagenweise aus den Unitrays per Vakuumsauger entnommen, bis diese leer sind. Die Trays selbst werden von unten per Vakuum fixiert und nach dem Entladen über ein zentrales Abtransportband gesammelt und via einer Shredderanlage dem Recycling zugeführt. Jeder Biskuit durchläuft au einem Förderband den Schubert Auflichtscanner, der als optisches Erkennungssystem eine Qualitätskontrolle durchführt: Neben Oberfläche in Quadratmillimeter, Geometrie und Orientierung können Risse, Farben oder Flecken erkannt werden. Somit wird alles notwendige ermittelt, so dass der Roboter anschließend das Gebäckstück an vorgesehener Stelle im Sortimenttray platzieren kann. Diese Vorgehensweise ist an allen fünf F44-Roboterzellen identisch.
Die sieben Sortimentmischungen sind in der VMS Maschinensteuerung von Schubert quasi als ‚Rezepturen‘ hinterlegt. Deren Bestandteile unterscheiden sich in Hinblick auf die verwendeten Gebäcksorten und ebenso ändert sich die Anzahl der einzusetzenden Gebäckstücke mit jeder Sorte. Schon die Unitrays sind – je nach Dicke und Ausmaß einer Gebäcksorte – individuell bestückt: So gibt es 4, 5, 6, 8 oder 12 Nester pro Tray mit 2 bis 11 Lagen pro Nest. Das Schubert Robotersystem verfügt jedoch über die Flexibilität, um diese Variablen in ein automatisches Verpackungssystem integrieren zu können.
In der Praxis heißt das beispielsweise, dass die Roboterarme 4 bis 8 Gebäckstücke pro Arbeitsgang aus dem Unitray ausheben können, je nach Werkzeug. Auch für die Caprice-Röllchen, die in 12er-Reihe liegen, konnte ein geeignetes Werkzeug geschaffen werden. Oder auch: Aufgrund der unterschiedlichen Anzahlen der Gebäckstücke pro Sortimenttray können nicht alle Zuführbänder mit gleicher bzw. konstanter Geschwindigkeit Gebäckstücke zuführen, ohne dass es dabei zu einer Über- bzw. Unterversorgung pro Sorte am Band käme. Deshalb steuern die F44-Roboter, welche die Sortimentspackungen bestücken, die Antriebe der zehn Zuführbänder bzw. die Geschwindigkeit des Auspackens der Unitrays individuell nach Bedarf. Doch auch bereits die verwendeten Vakuumsauger sind flexibel, denn sie beherrschen ganz unterschiedliche Gebäckformen und Öberflächen, von rund über rau bis reliefartig.
Die Sortimenttrays wurden zuvor noch von Hand zusammengestellt. Kreationen wie Hazelnut Praliné, Chocolune, Suprème aux Amandes oder Délice de Noisettes werden nun seit Juni 2005 von den Schubert Roboterarmen ebenso schonend, jedoch sehr viel schneller ausgepackt und anschließend neu einsortiert. Die Leistung, die von der Schubert-Anlage erreicht wird, beträgt Bis zu 1.000 Gebäckstücke/min, was ca. 100 Gebäckstücke pro Minute und Roboterarm entspricht. Je nach Umfang der Sortimentpackungen entstehen daraus 13 bis 40 Sortimentrays/min. Die Effizienz der Anlage liegt damit bei 98 %.
Investition in die Zukunft und zukunftssichere Investition
Auch der Leiter Technik bei Kambly und zugleich Projektverantwortlicher für die Verpackungsautomatisierung bestätigt die schon eingangs erwähnten positiven Erfahrungen: „Die Zusammenarbeit mit Schubert war und ist wirklich sehr gut. Schubert hat auch ausgezeichnete Monteure“, so Stefan Suter. Kambly ist heute schon der führende Biscuits-Hersteller und größter Exporteur der Schweiz bei qualitativ hochstehenden, veredelten, haltbaren Backwaren. Diese Investition wird dazu beitragen, die Position Kamblys auch international weiter zu stärken und auszubauen.